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90 Jahre Mandolinen Orchester Herringen 1924 e.V.

Am 29. Juni 1924 wurde in der Gastwirtschaft Overhoff an der Beverstraße 52 in Herringen der Wanderbund „Vergissmeinnicht“ durch "frohe, junge Menschen" gegründet. Einige Instrumente, in erster Linie Geigen und Gitarren verschönerten die Wanderungen.  Kurz darauf wurden die Geigen durch Mandolinen ersetzt und weitere Instrumente hinzugekauft. Durch regelmäßige Proben hob sich das musikalische Niveau. Das erste Konzert fand im "vollem Saalbau" der Gastwirtschaft von Wilhelm Schulze zur Wiesch an der jetzigen Neufchateaustraße 4 statt, dessen Inhaber dafür die Patenschaft übernommen hatte. Am 9. Dezember 1928 entschlossen sich die Mitglieder den Verein in „Mandolinen Orchester Herringen - gegründet 1924“ umzubenennen, weil das Wandern in den Hintergrund trat und sie lieber musizierten.  Erster Vorsitzender wurde Erich Hoffmann. Regelmäßige Konzerte unter den Dirigenten Josef Ziegelhöfer, Wilhelm Werner, Robert Anderson und Hans Schmidt fanden in der Öffentlichkeit immer größeren Zuspruch. War die Programmfolge anfangs leichterer Art, wurden die Themen immer gereifter. Nach Strauß, Lincke, Ritter usw. erschienen im Programm Werke von Verdi, Rossini, Lotzing, Weber und anschließend von Brahms, Bach, Mozart und Beethoven. Freundschaftskonzerte in Bad Meinberg, Emsdetten, Warendorf, Neheim, Bottrop, Dortmund-Wickede, Dortmund-Brakel, Heeren-Werve und Hamm pflegten die Kontakte zu anderen Vereinen. 

Der 2. Weltkrieg und die damit verbundene Einberufung zum Wehrdienst unterbrach die öffentlichen Auftritte für einige Zeit. Die wöchentlichen Proben fanden aber trotz ersatzgeschwächtem Ensemble statt. Proben und Gemeinschaftskonzerte mit befreundeten Musikvereinen diente auch dem Tauschhandel – Kohle gegen Speck. Aufführungen mit einheimischen Solo-Stimmen führten 1948 zu erfolgreichen Darbietungen der größeren Chorwerke "Glück auf" und "Ewig singt die Heimat" von Theodor Ritter. 

Durch das Massenmedium „Fernsehen“ wurde das Publikum nach dem 2. Weltkrieg immer mehr verwöhnt und das Orchester musste sich durch besondere Programmgestaltung das Interesse der Zuhörerinnen und Zuhörer zurück erobern. Nicht nur für Konzerte, sondern auch auf privaten Anlässen wird fröhlich aufgespielt.  Konzertverpflichtungen in die nahe und weitere Umgebung gaben dem Orchester einen weiteren Aufschwung. Inzwischen hatte Karl Fehr die musikalische Leitung des Orchesters übernommen, die er 1969 nach fünfzehnjährigem verdienstvollen Wirken an Helmut Heyn abgab.  Das Jugendorchester bestand in dieser Zeit aus über 50 Mitgliedern, erstmalig wurde am Wettbewerb „Jugend musiziert“ teilgenommen und Lehrgänge im Sauerland unter anderem mit der Dortmunder „Mandolinenlegende“ Willi Althoff und dem späteren Dirigenten Werner Hübert durchgeführt.

Eine prägende Entwicklung nahm das Orchester nach Übernahme des Dirigentenstabes durch Werner Hübert 1976. Er hat selbst etwas 90 Mandolinen und Mandolen gebaut, denen die russische Domra als Vorbild diente. Die Mitglieder des Orchesters spielen heute vorwiegend diese Instrumente. Werner Hübert hat mehr als 100 Werke selbst komponiert oder mit seiner ihm eigenen vitalen Handschrift für Mandolinen-Orchester bearbeitet. Auf internationalen Wettbewerbern belegte das Orchester erste und dritte Plätze. 1978 führte eine erfolgreiche Konzertreise in die französische Partnerstadt Neufchateau. Johannes Rau, NRW-Ministerpräsident, zeigte sich 1979 von den Mandolinenklängen begeistert und spendete reichlich Applaus. Das Orchester spielte zum Festakt 800-Jahre Welver auf – und der spätere Bundespräsident hielt die Festrede. Über 1000 Zuhörerinnen und Zuhörer gab es im gleichen Jahr beim Auftritt im Rahmen eines Gemeinschaftskonzertes „Bergleute musizieren und singen für Bergleute“ der Ruhrfestspiele in Recklinghausen. 1980 wurde die erste Langspielplatte des Orchesters mit europäischer Volksmusik aufgenommen. Konzerte mit großen Kinderchören unter anderem aus Köln oder Ahlen und die weiteren Konzertreisen nach Frankreich und Italien waren sehr erfolgreich. Einer von vielen Höhepunkten war ein großes Konzert mit Ivan Rebroff  (deutscher Sänger mit Stimmumfang von mehr als 4 Oktaven) aus Anlass des 100-jährigen Geburtstages vom Gesangverein Konstantia im Kurhaus in Hamm. Aber auch Konzerte mit Chören aus dem Sauerland sowie dem DON KOSAKEN CHOR Serge Jaroff sorgten  oft für ausverkaufte Säle oder Kirchen. Seit  Jahrzehnten beweist das Orchester soziales Engagement durch Benefizkonerte, zuletzt zu Gunsten phillipinischer Flutopfer oder lokaler Projekte. 

Über 90 Jahre nach der Gründung musizieren  2016 noch 22 Mitglieder mit den Zupfinstrumenten Mandoline, Mandola, Gitarre und  dem Streichinstrument Kontrabass. Neben der neapolitanischen Mandoline werden überwiegend "Hübert"-Instrumente benutzt. Dabei handelt es sich um in Handarbeit gebaute Mandolinen nach dem Vorbild der russischen Domra. Durch diese Kombination haben die Gestaltungsmöglichkeiten des Orchestern an Breite gewonnen. Der liebliche Klang des italienischen Instrumentes und der etwas herbere und stärkere Ton der "Hübert"-Mandoline geben die Möglichkeit, die Klangfarbe dem Charakter der verschiedenen Musikstücke anzupassen. Musikalischer Leiter des Orchesters ist seit 1997 Thorsten Jaschkowitz. Das vielfältige Repertoire besteht aus mehr als 900 Musikstücken. Es reicht von der Klassik über Oper, Operette bis hin zur Folklore, besinnlicher Musik oder rasanten Rhythmen. Oft werden die Konzerte auch gemeinsam mit Chören, Gesangs- oder Musiksolisten sowie anderen Mandolinenorchestern durchgeführt. 


Nachwuchs (Ausbildung, Noten und Instrumente werden gestellt) oder "Mitmusizierende" sind im Orchester immer herzlich willkommen. Die Proben finden mit Ausnahme der Ferien,  jeden Dienstag in der Aula der Jahnschule in Hamm-Herringen, Dortmunder Straße 170, um 19:30 Uhr statt. Jeder Neuankömmling ist eingeladen einmal reinzulauschen um vielleicht bei Gefallen aktiv mitzumachen.